Kürzere Fahrtzeiten, Längere Fußwege?

Diskussionspapier: Eine Station weniger bei der Linie 500 in Gehrden?  

Das wichtigste Thema in der Verkehrspolitik in Gehrden ist nach wie vor die Forderung der Verlängerung der Linie 500 nach Weetzen (auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, die Forderung für einen Fahrradweg nach Redderse auf die Tagesordnung zu setzen). Karte 1 zeigt den Status Quo der Linie 500 im Süden von Gehrden, Karte 2 die Option A für die Verlängerung nach Weetzen, die ich bislang präferiert habe.

Die Debatte zu der Frage ist jedoch seitdem vorangeschritten. Insbesondere veröffentlichte die Calenberger Zeitung am 21. November 2022 die von Dirk Wirausky aufgezeichnete Position von Dr. Jens Uffmann, Chefarzt des Krankenhauses in Rente. Er fordert, die Endhaltestelle Gehrden/Schwesternhaus abzuschaffen, weil diese kaum genützt würde: „Zählungen der Regiobus aus dem Jahr 2020 ergaben wochentags 100 Aus- oder Einsteiger am Endpunkt. ‚Was bei 170 Bussen umgerechnet 0,59 Passagieren pro Bus entspricht, […]‘“.    

Wenn man diesen statistisch 0,6 Passagieren einen längeren Fußweg zuzumuten will, dann ergibt sich die Option die bisherige Endhaltestelle ersatzlos für die Verlängerung nach Weetzen aufzugeben. Dies wäre dann Option B:

Es ist allerdings zu klären, wie sehr sich dann Fußweg für die Anlieger genau verlängert, und ob dies akzeptabel ist. Welchen Mindestbedinungsstandard sieht die Region Hannover für den Fußweg zu den Bushaltstellen vor? Im Nahverkehrsplan 2021 habe ich dazu keine Aussage gefunden, aber im Nahverkehrsplan 2015 gibt es zumindest eine Aussage zu der Entfernung von Bushaltestellen in der Stadt Hannover (S.113):  „Alle bedeutenden Siedlungsbereiche sind in max. 500 m Luftlinie (Bus, Bedarfsverkehr) bzw. 750 m (Stadtbahn und SPNV) an eine Haltestelle mit einem ausreichenden Bedienungsangebot anzubinden.“ Diese Aussage bezieht sich aber, wie gesagt, nur auf die Stadt Hannover, nicht auf Umlandkommunen wie Gehrden. Trotzdem ist es das beste Kriterium, was ich für die Region Hannover gefunden habe.

In Bezug auf der Robert-Koch-Krankenhaus würde der Fußweg zur Bushaltestelle dann etwa 370 Meter (Haltestelle Franzburger Str.) oder 400 Meter (Haltestelle Lemmier Str.) betragen, anstatt wie bisher etwa 250 Meter. Das ist sicherlich zumutbar. Wir sollten davon ausgehen dürfen, dass alle Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung soweit mobilitätseingeschränkt sind, dass sie einen Fußweg von mehreren 100 Metern zu Krankenhaus nicht mehr schaffen würde, die Kosten für ein Taxi erstattet bekommen. Die Regelungen zur Patientenbeförderung wurden im Oktober 2020 noch einmal anpasst (Bericht der Verbraucherzentrale).  

Auch die Kita Am Wald wäre bei Wegfall der Haltestelle Gehrden/Schwesternhaus noch etwa 400 Meter Luftlinie von der dann nächstgelegenen Haltestelle (Lemmier Straße) entfernt. Einige Wohnhäuser in der Herman-Löns-Straße sind allerding weiter als 500 Meter Luftlinie von der Haltestelle in der Lemmier Straße entfernt. Wer dort wohnt hätte einen deutlich längeren Fußweg. Das ist jedoch, denke ich, akzeptabel. Die Häuser im nördlichen Teil des Millilöckerwegs, wo aktuell noch gebaut wird, sind z.B. mehr als 500 Meter Luftlinie von der Haltestelle Beethovenring entfernt. In beiden Fällen handelt es sich um freistehende Einfamilienhäuser. Menschen, die dort wohnen, haben im Regelfall auch mindestens ein Auto, und werden dies nutzen, wenn sie schnell irgendwohin fahren müssen. Das ist die Gruppe von Nutzenden des ÖPNV, für die wir Park&Ride Parkplätze brauchen, aber Autobesitzende brauche nicht unbedingt eine Bushaltestelle in 500 Meter Entfernung (Luftlinie). 600 Meter Entfernung reichen da auch, insbesondere dann, wenn es dann eine zuverlässigere Busverbindung zur nächsten S-Bahn-Station gibt.

Deswegen würde sich die Zahl der Nutzenden der Busline 500 durch eine Verlängerung bis zum Bahnhof Weetzen auch erhöhen. Mit einer zuverlässigen Busverbindung zu allen Zeiten (also auch dann, wenn man unerwartet viel länger im Büro bleiben muss), erübrigt sich die Notwendigkeit von Park&Ride. Außerdem würde ein kleinerer Teil der Passagiere, der bislang mit der Linie 500 direkt zum Hauptbahnhof fahren, dann in die andere Richtung nach Weetzen, und von dort weiter mit der S-Bahn fahren. Dadurch würde sich die Überfüllung der Linie 500 im Bereich der Stadt Hannover dann etwas reduzieren. 

Der dritte Vorteil der Verlängerung nach Weetzen wäre, dass dann die S-Bahn-Stationen der Gemeinden Barsinghausen, Springe und Wennigsen, und noch weiter bis nach Bad Nenndorf und Hameln, über den Knotenpunkt in Weetzen direkt an den Bus nach Gehrden angebunden sind – und nicht indirekt über den zentralen Knotenpunkt in Hannover mit einer sehr langen Fahrtzeit. Dies wird hoffentlich die Zahl der Fahrgäste insgesamt erhöhen. Das ÖPNV-Netz in einem Ballungsgebiet wie Hannover kann nicht aus einem zentralen Knotenpunkt herausgebildet werden – es braucht sekundäre Knotenpunkte. (In Bezug auf die Ringlinie für die Stadtbahn, siehe diesen Bericht der HAZ, hat man dies inzwischen auch verstanden.) Natürlich ist mir klar, dass es aktuell eine Busverbindung zwischen dem Bahnhof Weetzen und Gehrden gibt. Nur diese ist zu unregelmäßig, um attraktiv zu sein.

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